Von der Autofähre bis zum Flusskreuzfahrtschiff

So vielfältig sind Binnenschiffeauf Europas Flüssen, Kanälen und Seen im Einsatz

Ob als Transportmittel für Massengut, als schwimmendes Hotel oder als Arbeitsgerät für Bauarbeiten: Schiffe auf Binnenwasserstraßen übernehmen unterschiedlichste Aufgaben – und prägen als nahezu unsichtbare Leistungsträger unsere Wirtschaft, Mobilität und Freizeit.

Dabei ist die Bandbreite an unterschiedlichen Binnenschifftypen riesig: von kleinen Motorbooten bis hin zu riesigen Trockengutschiffen, die mehrere Tausend Tonnen Ladung von A nach B bringen, von Tankschiffen für Chemikalien bis Kraftstoffen, von Wassertaxis über Barkassen bis Autofähren, vom Tagesausflugsschiff bis hin zu Kabinenschiffen, jene fahrenden Hotels, die Flusskreuzfahrten quer durch Europa machen. Und da wären dann noch die „Bauarbeiter“ unter den Schiffen, die – mit Kränen oder Baggern bestückt, auf Baustellen am Wasser Berge versetzen.

Binnenschiffe sind langlebig
Bemerkenswert vielfältig an der Binnenschifffahrt ist auch das Alter der Schiffe, die im Einsatz sind. Denn die Langlebigkeit von Binnenschiffen ist ein besonderes Kennzeichen dieses Verkehrsträgers. Selbst Schiffe aus den Jahren des deutschen Wiederaufbaus fahren noch täglich, dank beständiger Wartung und unermüdlicher Modernisierungen über die Jahrzehnte. Solche extrem langen Verwendungen sind ein nicht zu unterschätzender Faktor in Sachen Nachhaltigkeit. Wichtig ist aber auch, dass sich die Flotte insgesamt weiter erneuert – mit neuester Motorentechnologie, Einsatz von digitaler Steuerungstechnik oder ganz neuen Schiffsbaukonzepten. So gibt es bereits im Einsatz befindliche Entwicklungen wie wasserstoffgetriebene Güterbinnenschiffe, Elektroschiffe in der Fahrgastschifffahrt oder Niedrigwasserschiffe, die auch dann noch fahren können, wenn andere Schiffe auf der Flusssohle aufsetzen würden. Die Klimabilanz eines mehrere tausend Tonnen transportierenden Binnenschiffs war schon immer vorbildlich, vor allem im Vergleich zum Lkw-Transport auf der Straße. Neueste Entwicklungen sorgen dafür, dass dieser Vorsprung gegenüber anderen Verkehrsträgern noch weiter ausgebaut wird. Umso wichtiger ist es, seitens der Politik ausreichende Förderprogramme aufzusetzen und mit ausreichenden Mitteln auszustatten – ob für Bauten, Modernisierungen oder auch Ausbildungsprogramme.

Binnenschiffe sind besonders sicher
Verheerende Umweltschäden durch katastrophale Unfälle kennt man trotz einer Vielzahl täglich verkehrender Tankschiffe, die große Volumina an gefährlichen Chemikalien oder Brennstoffen befördern, nicht. Dafür sorgen über Jahrzehnte immer weiter verfeinerte Sicherheitssysteme. Tanker werden zum Beispiel mit Doppelhülle gebaut. Wird tatsächlich einmal die Außenhaut beschädigt, bleibt der Tank im Inneren unversehrt. Generell hat sich die Entwicklung weiterer Sicherheitssysteme in den letzten Jahren beschleunigt, gerade auch im digitalen und automatisierten Bereich. Ein gesundes Zusammenspiel an präziser Technik und gut geschulter menschlicher Steuerung der Systeme ist dabei besonders wichtig.

Die Binnenschiffer-Familie und ihre Partner
Für Alexander Kohlmeier, Leiter Unternehmensentwicklung und Vertrieb der VEREINIGTE SCHIFFS-VERSICHERUNG V.A.G.®, ist die Binnenschifffahrt etwas sehr Persönliches. In der Branche kennt man sich, man spricht oft von einer großen Familie – und die Vernetzung als Spezialversicherer ist sowieso nötig: Gute Verbindungen vom Reeder über die Werft bis zum Partikulier und Schiffsführer sind nicht nur wichtig, sondern machen auch seine Arbeitswoche sehr abwechslungsreich. Die Branche teilt sich auf in die eher saisonal aktive Tagesausflugsschifffahrt und die ganzjährig aktive Güterschifffahrt, die übrigens auch kein Sonntagsfahrverbot kennt. Als Versicherer von knapp 1.000 Wasserfahrzeugen mit Werten von 75.000 bis ca. 7 Mio. Euro sagt Kohlmeier: „Hinter jedem unserer Verträge steckt ein Schiff, eine Crew – und so viele unterschiedliche Einsatzbereiche und Geschichten.“ Der Anblick vorbeifahrender Schiffe, oben auf einer Brücke stehend, ist bis heute nicht nur für ihn, sondern für viele Menschen etwas Besonderes.

Auch Nils Funger, Geschäftsstellenleiter der Bank für Schiffahrt (BfS) in Duisburg, kennt die Faszination für die Binnenschifffahrt gut. Die BfS begleitet Unternehmer der Branche, teilweise seit mehreren Generationen – und hilft zum Beispiel bei der Finanzierung, dank ihrer Branchenverbundenheit aber zudem auch mit vielen spezialisierten Serviceleistungen. Sie beraten bei der Existenzgründung samt Fördermittel-Know-how, der Investition in Digitalisierung und Nachhaltigkeit, der Finanzierung von Neubauten oder beim Kauf gebrauchter Schiffe. In der Kundenbetreuung trifft Funger auf eine Vielfalt unterschiedlicher Kontakte, ob in Gesprächen mit dem jungen Partikulier, in vertrauter Runde mit Logistikern und Touristikern – bis hin zum Austausch mit alteingesessenen Reedern. Er spricht beim Sinn seiner Arbeit konkret vom „Anfassen“ der beeindruckenden Schiffe, die Menschen eine Existenz bieten. „Die Binnenschifffahrt hat durch ihre Klimabilanz und den freien Kapazitäten ein enormes Potenzial beim Thema Energiewende“, gibt er zu Protokoll.

Ob wegen schöner Aussichten vom Wasser aus auf unsere Natur und unsere Städte – oder dank vieler Vorteile als überzeugender Verkehrsträger: Schifffahrtsromantik kommt in der Binnenschifffahrt schnell auf. Fakt ist aber auch, dass hinter den Kulissen dieser oftmals völlig unterschätzten Branche viel Arbeit und Anstrengung sowie Mut und Verantwortung steckt, was zu oft übersehen wird. Für mehr Aufmerksamkeit für die Binnenschifffahrt, ihrer Menschen und ihrer Leistungen, sorgt deswegen die Kampagne PRO Binnenschifffahrt.

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